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Titel und Text

Heute Abend kam ich im abendlichen Gedankenstrom auf eine Wunschäußerung meiner Eltern. Diese äußerten sie das letzte Mal etwa vor etwa 1,5 Jahren.
Sie wollten doch gerne mal Enkelkinder haben.
Das trockene Lachen, das mir bei diesem Wunsch entwischt, dürfte kälter sein als jede Eiszeit.

So. Habt ihr denn auch die nötige Vorarbeit geleistet? Wollt ihr also nach getaner Pflicht nun in elterliche Kür treten und die gütigen, von der Last der Erziehung befreiten Großeltern spielen? Eure Enkelchen betüddeln und lieb haben und die Rolle der grundgütigen Oma und Opa übernehmen?

Ich bin ein Opfer psychischer und physischer Misshandlung innerhalb meiner Kindheit gewesen. Eigentlich könnte es denkbar taktlos sein, einem ehemaligen Opfer vor zu tragen, dass es eine Mutterschaft zur eigenen Begünstigung ertragen solle. Ich will nicht missverstanden werden; Opfer zu sein, irgendwann im Leben gewesen zu sein, ist zutiefst schändlich für mich, ist weitaus peinlicher als sich öffentlich in die Hose zu machen. Die Scham und Schuld, welche eine solche Opfer-Episode ausstrahlt, ist mächtiger und unheimlicher als das Unwissen über die Größe des Alls.
Ich bin es mitnichten freiwillig, aber ich bin es.
Die Kindheit kann ich nicht kontrollieren, nicht einmal verantworten, sie ist tatsächlich ein Bereich, in dem ich einem anderen volle Schuld und Versagen zuweisen muss. Ich kann nicht einmal ernstlich verantworten, dass ich als Kind damit begann, all meine Haustiere zu quälen und zu töten; als Folge der Gewalt, mit der ich konfrontiert wurde.

Sie fragten mich nie nach meinem Privatleben. Sie reden sicher darüber, wundern sich, warum ich nichts erzähle, weshalb ich keinen Freund habe. Überhaupt wunderten sie sich stets darüber, dass nichts von mir kommt. Dass ich als Kind nicht von allein mein Zimmer aufräumte, da Ordnungssinn ihnen stets wichtig war. Tatsächlich schaffte es dieses Wundern niemals wirklich, in eine elterliche Ansprache und Führung zu münden.
Ich habe noch heute ein zartes Brandmal an der Hand; als dreijähriges Kind fasste ich an einen glühend heißen Motorradauspuff. Als ich meine Mutter viele Jahre später fragte, warum zum Teufel sie mich nicht von meinem kindlichen Vorhaben abhielt, entgegnete sie: "Du wolltest ja nicht hören".

Es verwundert mich nicht, dass ich das entgegen gesetzte Extrem meiner Eltern geworden bin. Ich bin verletzt worden und ich bleibe verletzlich, auch wenn ich das leugne und nunmehr meine Kälte zu verherrlichen versuche, die bewirkte, dass ich noch hier sitze und Pläne habe. Kinder zu haben, gehört nicht dazu. Ich maße mir nicht an, mich hin zu stellen und zu behaupten, dass ich aus meinem überlebten Leid die besseren Schlüsse zu ziehen vermöge, indem ich meinen Kindern eine bessere Kindheit bescheren möchte.
Sicherlich wäre ich die Art von Mutter, die ihre Kinder maßlos überfordert, reglementiert und ihr Privatleben auseinander nimmt.

Es tut mir leid, dass ich mir bislang kein ausgewogeneres Leben schenken konnte anstatt eines mit Selbstkasteiung und übermäßiger Selbstkontrolle. Auch Geschenke in Form von edler Schokolade an mich selbst versüßten mir mein Leben nicht, wie auch. Ich bin beinahe bindungsunfähig. Aber nur beinahe, davon bin ich noch überzeugt. Es widerstrebt mir, mich mit den falschen Dingen am Leben zu erhalten geschweige denn zufrieden stellen zu wollen. Ich bin nicht nur beschädigt worden; ich wurde auch mit Erfahrungswerten ausgestattet, die mir eine präzise Vorsicht zur Hand geben.
Vielleicht kann man es zu einer konstruktiven, reflektierten Leidensfähigkeit ausgestalten, im Bund mit der Fähigkeit, zielgerichteten Gehorsam dort an zu wenden, wo sich die Instabilität der anderen Person wie ein dunkelroter Schatten entlarvt.

Das weiß ich alles noch nicht.
14.10.10 23:23
 


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