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Fisch im Bett

Heute war Looser-Tag.
Ich schmierte endlos ab im Training dank ständiger Unterzuckerung. Mein Können wurde heute abgeurteilt und ich fühle mich zurecht untermittelmäßig. Zuvor am Empfang hielt mich die Dame für einen Jungen und entschuldigte sich, da war mir das Lächeln noch nicht vergangen.
Ich muss nachlegen und mich verbessern. An sich kein Problem, hätte ich kein Innenleben. Ich würde mich gerne an einen Arm klemmen, in den bequemsten, wärmsten Kleidern, die ich habe und würde dabei gern gemütlich dösen. Im Bett liegen und eine spannende Sendung anschauen, tut es auch ein wenig. Ein wenig gepflegt werden, vielleicht eine selbst gemachte Suppe essen, mit den Füßen in flauschigen Angorasocken. Selbstmitleid macht alles wieder wett.

 
8.10.10 23:27


candy slut

Du musst genau wissen, warum du etwas isst. Du musst wissen, welchen Bedarf deines Körpers du damit deckst. Du weißt nicht, warum du es wissen musst und woher der Drang nach diesem Wissen-Müssen kommt.
Diese Schokolade kannst du nicht erklären, die heute in deinen Schlund gewandert ist. Aber du weißt, dass sie nicht im Geringsten einen körperlichen Bedarf deckt.

Die Krankheiten meiner Mutter häufen sich. Mich überkommt ein Schwall des Leidens. Ich kann das nicht abtrainieren, denn die Angst um die Mutter ist seit frühester Kindheit konditioniert. Werde ich abgelehnt werden, wenn ich therapeutische Hilfe in Anspruch nehme? Weil die Sorge und Angst um meine Mutter nicht steuerbar ist? Wann habe ich das letzte Mal geweint? Vor einem Jahr? Oder einem halben vielleicht?
Heute heulte ich wie ein vergessener Schlosshund. Ich verfluche die Angst, die in meiner Kindheit gekocht und regelmäßig serviert wurde, die Angst vor dem Versterben meiner Mutter und die daraus resultierende Schwäche.
Ich hasse es, wie sie sich nicht um sich kümmert und ich hasse die Kindheitsfotos von mir. Der viel zu straff gekämmte Zopf, den ich verpasst bekommen habe. Die versteckten Zeichen an meinem kindlichen Ich, die meinen tiefen Zwiespalt verkündeten, entdecke ich sofort. Unstimmigkeiten. Genauso unstimmig, so leidvoll, wie die Ehe meiner Eltern. Ich als ihr Kind erspürte ihre Leiden schnell und litt an den Folgen.

Zwischen meinen Eltern herrscht(e) ein Machtkampf, wer mehr Leistung erbringt. Wer das Recht hat, über sein gewaltiges Arbeitspensum zu klagen.
Und ich denke nicht anders. Leistungsgeil und ausgehungert. Seelisch bin ich so bedürftig geblieben wie ein 5-jähriges Kind. Ich bin lüstern auf Anerkennung, auf Lob. Auf ein Lächeln, auf Güte.

Sex Carnival mit remember zonely
7.10.10 21:52


Non-Heart-Beating Donor

Alltag.
In einer Tagung des Transplantationskongresses. Empirischer Tod und Lebendspender werden von den Medizinern in der ersten Reihe durch gekaut. Darf man einen sterben lassen? Ist ein Patient tot, weil sein Herz zum Stillstand gebracht wurde? Die Mediziner entrüsten sich.
Klamm horche ich rein.

2 Minuten warten sie und tun nichts. Von 10 auf 5 zu 2 festgelegten Minuten des Wartens. Dann wird im Regelfall der Tod empirisch festgestellt. Ein anderes Warten wird beendet. Vielleicht.
Ich sprach heute mit vielen. Eine hat eine neue Leber, der andere trägt eine geschenkte Niere seit 10 Jahren spazieren, ein anderer wartet verzweifelt auf ein Herz.
Manche warten darauf, dass ihr Herz gebrochen wird.
6.10.10 20:52


Saturnmond

Alltag.
Ich entferne mich innerlich von meinen Mitmenschen, verliere den Wunsch zu kommunizieren und gesehen zu werden. Eine Folge vom Alltag?

Ein Interesse an selbst gemachten Gurkensalat ist fest zu stellen. Darum ist es für mich wichtig geworden, nach günstigen Gurkenangeboten Ausschau zu halten.

Eine Spanierin ist eingezogen, gleichzeitig bahnt sich ein erneuter Auszug an. Solang sie sich benehmen, ist mir alles egal.
Probleme hier drin sind winzig klein. Schön unsichtbar, denn noch bin ich nicht völlig gläsern.
Alles Alte versuche ich weg zu wischen; alte Leiden verschwinden zu lassen. Es gibt neue Leiden, selbstbewusst Ziele genannt.

Der ganze restliche Tag ist frei. Zeit für kleinere Aufgaben oder für ältere, Ausstehende. Ich schaue in meine Liste der "most wanteds" und picke mir zwei heraus.
Fraktale Wehmut.
5.10.10 13:20


Verliebtheit

Blutlustfantasien sind in den Herbst gewandert, in dem sie das Dörrfleisch abnagen und sich auf die weisen Knochen freuen.
How can I stop your tears?

Ein Rohdiamant liegt noch im Käfig, mit kristallinen Arterien.
Er deckt seine Laterne ab und betrachtet die singende Frau unter dem Stern, inmitten der vielen Raubtieraugen. Edelsteinleben.

Durch großzahnige Tropfsteinhöhlen fand er hindurch, welche weiße, haarige Spinnen nach ihm speiten. Tausendärmern entrann er, Schwarzstachler besiegte er.

Und sein Ende besingt ihn hier. Ihr Kummer.
3.10.10 22:58


Fürsorge

Gemeinhin ist es einfacher, sich für doof zu befinden.
Oder sich für wenig zu interessieren. Oder für alles ein bisschen.

Vielleicht auch nicht den Versuch des Differenzierens unternehmen.

Bevor ich eine Situation analysiert habe, ist sie, sich selbst überlassen, längst geschehen. Das schöne Wort ist das einfache Wort; die verständliche Rede greift tief in das seelische Empfinden, nicht die komplexe Rede.
Jede einzelne meiner Lockensträhnen springt wie eine schmale Stahlfeder, kein Mensch hört das Knirschen ihrer vielen kleinen Plättchen während des Zurückspringens.

Appetitlosigkeit ist überall. Aber kein Platz dafür. Stressbewältigung ist kein Ort der Extreme, sondern des moderaten Zwangs.
Kälte ist nicht eine niedrige Temperatur, sie ist Mangel an Zeit. Der vorwurfsvolle Blick aus dem Spiegel sagt mir, wie viel Uhr es ist. Ohne Ziffern, weit und breit.
25.9.10 17:48


Schlosschiffre

Irgendetwas hat mich die letzten 36 Stunden übel gestochen.
Es war kein Tier, nicht einmal ein Lebewesen.
Die Pflicht brennt mir im Kreuz. Ich muss, ich muss noch etwas erledigen, bevor das hier abgeschlossen ist. Und es ist kein realer Abgabetermin.
Etwas, was man zu besitzen glaubt, muss her gegeben werden. Manchmal bin ich schrecklich automystisch und träume überschwemmende Träume.

Ich muss zur richtigen Erkenntnis kommen, um Gedanken wirklich ad Acta legen zu können. Die Ziegen hab ich aus meinem Kopf gejagt und dann gesehen, dass sie ein Loch mit ihren Leibern versteckt hatten. Als mir einfiel, was mir fehlen könnte, ging es mir fabulös. Es ist nur ein Satz, der im Kopf schwebt und er hat die Form eines Schlüssels. Er öffnet keine alten Schlösser, er öffnet nur jene, die kommen. Kann Wissen glücklich machen?
Mich macht die Genugtuung glücklich, die ich habe, wenn ich das Wissen anwende. Es passt der richtige Schlüssel aus den vielen vorhandenen.

Dann los. Zack, zack. Aye, aye.
21.9.10 22:24


Meuchler

Sonntagsrotz, Phoenix läuft.
Die chinesische Nachbarin hackt ihr Fleisch laut hörbar in der Küche.
Meine Hände sind trocken.
Morgen wird auch blöd und ich muss einen Disput mit einer Freundin aufrecht erhalten. Reden können wir morgen nicht, aber auch sowieso nicht.
Keine Lust aufeinander, keine Perspektive füreinander. Und doch würfelt die Gewohnheit uns wiederholt in ein gehaltloses Gespräch. Das will ich vermeiden.

Morgen beginnt die Uni. Das heißt, morgen wird wieder Staub aufgewirbelt. Etwa ein oder zwei Wochen lang, bevor dann die Kurse regulär beginnen.
Ich erwarte kein Novum. Mein Studium tickt nun herunter. Noch ist Zeit für alle typischen Studienzeiterlebnisse, die es da geben mag und ich noch nicht erlebt habe. Dürften noch genügend sein. Meine Zukunft ist gerade so eindimensional, so flach wie als könnte sie niemals sein.
Ich habe mir vorgenommen, dass ich bei Scheitern meines geplanten Vorhabens zumindest eine Lebensgemeinschaft gefunden haben will, was mir das Leben erleichtert und die Kosten schmälert. Ich könnte dann doch länger studieren, könnte die Zeit nutzen um Kontakte zu Verlagen und Institutionen zu knüpfen. Damit die Zeit zwischen Abschluss und erster Bezahlung nicht brachialer wird als sie sein müsste. Vielleicht ergibt sich auch gleich eine teilzeitige Festanstellung, bei der ich nebenher noch frei arbeiten kann. So sähe es wohl irgendwie aus. Sicher käme dann auch bald ein Hund aus dem Tierheim, das kann sich doch selbst der knappste Künstler irgendwie leisten. So ein kleiner Weggefährte.
Ich merke, ich bin gerade sentimental.
Wenn ich meine Vorhaben umsetzen kann, hätte ich die Möglichkeit, in eine andere Großstadt zu ziehen. Das wäre ein angenehmer Nebeneffekt. Und hätte Fluchtcharakter.

Neue Kontakte an diesem Ort zu knüpfen, ist nun eine komplizierte Angelegenheit. Bestehe ich die Auswahlverfahren nicht, dann bleibe ich hier. Und unser Kontakt wird von meiner Enttäuschung überschattet. Bestehe ich, werde ich gehen. Unser Kontakt wäre dann seiner wichtigsten Ebene, der persönlichen Präsenz, beraubt.
Schwarzmalerei.

Ich liebe die Geschichte vom Monster und der Frau. King Kong und die weiße Frau. In all seiner diskriminierenden Spannweite. Dunkel und voller Sucht nach Originalität bleibt das Werk für mich erfrischend ursprünglich. Weder platt, noch muffig. Mir ist schwindelig.

*

Morgen ist bald da und ich muss einfach mal vertrauen. Es gibt zwei Wege, auch wenn ich nur den einen sehen will. Ich könnte eine funktionierende Heizung gebrauchen. Ein Marmeladenbrot mit einer Brise Salz, auch. Ich weiß keinen Ort, an dem ich gerne leben würde. Aber die nächsten Jahre dürfte es gerne Bayern sein.

Ich bin voll und weiß nicht mit was. Mit Informationen oder Fragen; vielleicht auch massiven Verspannungen, die ich mir eigentlich wegmassieren lassen müsste. Da war doch mal ein Friseurmeister, der mich gerne kennen lernen wollte. Vielleicht mal anrufen. Unwahrscheinlich, dass ich das tun werde.

Meine Verspannungen und ich sind ein eigenes Kapitel. Die vielen Stellen, in die man rein drücken und einen Schmerz abholen kann, beschäftigen mich Nacht für Nacht im Bett. Ich kann sie schlecht selbst versorgen, würde mich manchmal gerne wie ein Bär an einem Baum reiben, aber das täte sicher zu sehr weh und ich hätte absurde Sorge, die Dornfortsätze meiner Wirbel zu schädigen.

Ich setze morgen das Training aus. Nur ein bisschen skaten und dann Anrufe tätigen. Sämtliche Träumereien glatt bügeln, die schweigende Motivation straffen und mit möglichen Hürden rechnen. Ich kann eine gewisse Kälte nicht verhehlen. Ein steifes Pflichtbewusstsein und Gleichgültigkeit im Alltag helfen durch sämtliche Belange. Meine Kurse habe ich mir ausgesucht, eventuelle Fragen sind notiert, seelische Bedürftigkeiten ignoriert; Eventualitäten ausgeklammert. Reduzieren, wo nur möglich.
19.9.10 22:50


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