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Intention

Ich schreibe gerade einen Text, ohne ihn zu meinen. Er ist einer dieser Pflichttexte, die ich schreibe mit einem mechanischen Taktgefühl, das nicht einmal annähernd an ein natürliches Textgewebe heran kommt. Konstruktbeladenes Denken überkommt mich und ich stoppe kurz mit dem Lücken füllen, da ich neue Lücken produziere.

Mein letzter Text hier sticht mir ins Auge. Und geht doch knapp vorbei.
Sentimental kann ich mich nicht bezeichnen, wenn ich sage, dass zu tun ist, was ich tun muss. Meine Identifikation mit mir selbst würde ich gerne an einen Kleiderbügel hängen. Alt und abgegriffen. Ich brauche sofort etwas Neues und weiß doch, dass es aus dem Alten ersteht. Ganz langsam streift es sich ab, klemmt nur an meiner Ungeduld. Ein langer Geburtsvorgang, unendlich behäbig breitet sicher dieser in meinem Gedächtnis aus, sodass ich nicht mehr zu wissen glaube, dass ich tatsächlich geboren wurde.

Deine Ziele ändern dich. Und du häutest dich. Deine Muskeln brennen, aber du nimmst es weniger persönlich. Es ist mehr eine Rückmeldung, der du dich immer mehr entsagst. Weil du weißt, was du tust. Unerschütterlich genau.
9.11.10 10:34


Katakomben sprengen

Alles Offizielle läuft Primus.

In meinem Privatleben herrscht Anarchie. Eine alte Freundin serviert mir per Telefon ihr erstes Mal, mitsamt dem Nervenkitzel, dass sie hätte schwanger werden können. Explizite Details ihrer ersten Liebesnacht kichert sie mir in den Hörer. Ihr Zorro hat eigentlich eine Freundin, die er bald heiraten und mit der er ein Kind bekommen möchte. Ich gebe ratlos meine vorsichtige Kritik kund und vergesse die Geschichte bald wieder.
Ich weiß, ich habe mich in den letzten Tagen etwas verguckt, das erschwert das Arbeiten und Training etwas. Es ist eine vergebene Person. Das passiert mir immer. So gut wie. Diese Personen suchen den Kontakt zu mir, haben die Eigenart, solche Signale zu senden, die ich leicht missverstehen kann. Wo ich sonst relativ kalt bin und keine Signale deute, kann ich in solchen Einzelfällen zum Freizeitokkultisten werden. Oh nein, diesmal nicht.

Der Trainer legte seine Hände heute auf meine Schultern, seine Finger ruhten einen Tick zu fest auf meinen Schlüsselbeinen und ich zog die Schultern argwöhnisch weg, er lächelte dennoch; hatte heute wohl seinen pazifistischen Tag oder wollte mich für meine erzielten Treffer loben. Es war mir alles schnuppe, auch wenn das Spiel gut lief.

Diesmal nicht. Ich weiß, was ich tun muss, um unnütze Sentimentalität ab zu schütteln. Die früheren Erfahrungen hatten den Vorteil, dass ich durch sie emotional tatsächlich noch abgeklärter, blutleerer geworden bin. Sicher kann man eine schwache Beziehung sprengen, sich einen Dreck um die Scherben scheren und über Liebesleichen gehen. Aber wer bin ich? Das Dynamit von Menschen, die nicht wissen, was sie wollen?



fu
31.10.10 01:46


Schlachtgewicht

Ich weiß nicht, wie lange ich schon lese.
Schweine fressen das Futter nicht nur, sie verdauen es auch. Mein Wissen ist unverdaut. Rohe Gülle.
Handschellen halten die Hände auf ihren Rücken und ihr Gesicht drückt sich gegen die Wand. Gezielte Zucht in einem Hochsicherheitstrakt. Verdummte Schweine fressen aus Automaten. Sie kann nicht anders, sie ist besessen. Eine hungrige Hedonistin.
Ich könnte etwas anderes sehen, wenn ich das Buch zuklappe und aufschaue.

 

Doku über Schweine.

28.10.10 00:14


Rette sich, wer kann

Die Lymphozyten kommen und verpetzen jeden auf dem Platz. Just like perfection.
Ihnen die Rezeptoren hin zu halten, könnte verhängnisvoll werden.

Nichts Besonderes; alles überschaubar. Nett.
Hier hält derzeit Unordnung Einzug. Ich bin zu beschäftigt, obwohl ich genügend Zeit in meinem Zimmer verbringe. Und was gibt es sonst zu berichten? Nichts Ungewöhnliches, was sich vor meinen Augen offenbart hätte. Innerlich empfinde ich einen Rationalismus, der sich im Tilgen von Bedürfnissen bemerkbar und mich zuweilen zwischenmenschlich etwas inflexibel macht. Wie gehabt. Man müsste nicht einmal die Beispiele auffrischen.
Wieder ein paar Zeilen gespart; nicht schlecht.
27.10.10 00:36


Gericht

Never get it. Always trying.

Die Bäume rauschen draußen, der Wind reibt sich an den Kanten der Häuser. Es ist eine augenlose Nacht.

Lügen fallen durch jedes Sieb. Und knicken dabei kleine Zweige. Spielen auf dunkelblauen Grashalmen und finden im schmutzigen Suizid ihr Ende.
Eine endlose Lüge ist das plastischste, was manch eine Welt zu bergen hat. Der Stolz ist ein schmieriger Komplize und das Schweigen die Pistole, mit der die Lüge dich bedroht. Jeden Tag erliegst du von Neuem.
Niemals bekommen, was man versucht zu bekommen. Versuchen an zu kommen, in einem Hamsterrad. Bandscheibenvorfall im Nacken.

Ich weiß, du hast dir das Schwierige ausgesucht. Und möchtest nicht, dass ich dein Hamsterrad dabei anzweifle. Weil dich dessen Sinnlosigkeit schmerzt.

In deinem Kopf spricht dich der Richter eines Tages frei. Und mich auch versicherst du mir. Gemeinsam liefen wir dann ins Sonnenlicht der eigentlichen Welt und lebten erst unser echtes Leben. Dies hier sei die Welt für die, die irgendwann einmal falsch abgebogen sind und dabei nicht wussten, dass ihr Weg eigentlich doch keine Einbahnstraße ist.
Du dummer Fantast --
22.10.10 00:14


sensible Knie

Eine unerträgliche Spannung in meinem privaten Empfinden hat sich in mir manifestiert. In meiner kreativ-wissenschaftlichen Arbeit funktioniere ich akzeptabel. Auch beim Training bin ich wieder streckenweise dienlich. Im Sturm sowie in der Verteidigung.
Aber meine Gefühle sehen aus, wie gepanschte, gemixte Grütze. Meine Träume nehmen eine immer derbere Gestalt an. Ich sehe Magen- und Bein-Amputationen, vorgenommen von unlauteren, unheimlichen Chirurgen; es erinnert stark an einen sexuellen Akt und ich versuche mich von dieser Szenerie zu entfernen. Ich wache auf und fühle mich so müde wie am Abend zuvor.

Am Telefon mache ich meiner Mutter eindringlich klar, dass ich mir nichts zu Weihnachten wünsche. Kauf dir diese eine Handtasche, die dir so gefällt und kauf dem Vater neue High-Tech-Geräte. Ich wünsche mir nichts. Wenn du magst, kannst du auch eine Schönheitsbehandlung dazu kommen lassen, die du meinst zu brauchen, es stört mich nicht.
Ein seltsames Schuldgefühl löst sich von diesem Gefühlsbrei, meine Mutter soll gerne eine Diva sein, wenn sie mag. Ich will sie so sehen. Ein schöner Schein und nagelgefeilter Stolz, mit ebenmäßiger Haut, nach der sie sich sehnt. Es droht mich zerreißen. Wenn ich es könnte, würde ich ihr jede Operation der Welt bezahlen. Um ihr den Schein einer stolzen Frau zu geben, zurück zu schenken, den sie von allein nicht an sich vorfindet. Mit dem sie immer hadert.

Die Furcht vor diesen schönen, perfektionistischen Frauen nimmt zu. Je mehr ich die Schönheitsaktivitäten meiner Mutter registriere. Ich sah etwas über eine unendlich große Drag Queen auf High Heels und fühle mich absurderweise an meine Mutter erinnert. Auch vor Drag Queens fürchte ich mich also.
Vor allem, was glitzert, stolziert und seine individuelle Lebenslust in diese regnerische Welt brüllt. Was mich auch fürchtet, ist stehen gelassen zu werden, zu wissen, dass ich nicht zur schillernden, auffälligen Klientel gehöre und dementsprechend ohne einen Schirm aus Bewunderung im Regen stehe. Das alleine wäre noch nicht schwer. Nein -- selbst Bewunderung für diese anderen zu empfinden, wäre schwer. Eine namenlose Bewunderung zu hegen, als ein grauer Fan, so sieht Selbstlosigkeit bisweilen für mich aus. Als anonymer Gast den Glanz des eigenen Lebens an sich vorbeiziehen zu sehen.

Meine Knie tun empfindlich weh. Ich erinnere mich an einen Vorfall in der U-Bahn. Eine auffällige, etwas wirre Dame stieg ein. Jeder starrte sie an, auch ich. Ich beobachte sie, ihr dramatisches Punkmädchenverhalten mit vielen potentiellen Utensilien; die Stadt ist ihre Bühne, diese Bahn einer ihrer vielen Laufstege. Ich lächelte in mich rein und freundete mich gleichzeitig mit meiner Nichtigkeit an, verschränkte die Arme und war ein genialer nichtssagender Fahrgast. Als sie ausstieg, sah sie mich an und wünschte mir mehrmals einen schönen Tag, sie glotzte mir lange hinterher, strahlte, winkte mir und ich konnte nur peinlich berührt lächeln.
Ein winziges Loch im Alltag kann unvermutet auffällig sein.
Es kann eine Hoffnung nähren, die in der Realität nur eine Pfütze auf dem Gehweg ist. Dass die Schillernden sich umdrehen mögen, einen bemerken und die stille Bewunderung sichten. Dass sie verstünden, dass ihr Schillern nur auf der Netzhaut meiner bewundernden Augen existiert. Ihr Pokal nur meine Bewunderung ist, den es mit einer tiefen Verneigung zu empfangen gilt.
Meine blau befleckten Knie tun heute wirklich weh.

 

 

21.10.10 18:00


Schmetterling

Was haben Hunde mit etwas abstraktem wie Selbstliebe zu tun?

Ich habe vor einiger Zeit eine neue Ebene, auf der sich meine Zwiegespaltenheit darstellt, entdeckt. Diese äußert sich darin, dass ich neben territorialen, schutztriebigen, massiven Hunden auch die verschiedenen, grazilen Windhunderassen mag. Beides zusammen in einem Hund zu haben, ist schwierig. Hunde beider Arten zu halten, lässt vermuten, dass mindestens ein Hund nur ein schmuckes Beiwerk sein kann. Es kann nur einen geben, höre ich einen Extremistenchor in mir singen. Welcher Hund kann die Eigenschaft des anderen noch am ehesten speisen? Oder vielleicht keinen von beiden nehmen und stattdessen den passendsten Hund im nächst besten Tierheim holen? So könnte es mal tatsächlich aussehen.

Was mich beunruhigt, das sind spitzfindige, intelligente, rationale Frauen, die gertenschlank, gar federleicht sind und wie Schmetterlinge gehen, also eigentlich schweben. Sie sind erschreckend unvoreingenommen, kritisch an den verschiedensten Themen interessiert und haben nicht im Geringsten jegliche Kontaktschwierigkeiten. Womöglich sind sie auch noch gerne Gesprächsthema der anderen, sei es durch ihre Intelligenz, ihr Geschick oder ihr feenhaftes Aussehen.
So eine Person, die einen Großteil dieser Beschreibung erfüllt, kenne ich. Habe ich quasi als Freundin. Überhaupt gibt es so einige intelligente Frauen in meinem Blickfeld, neben denen ich mich wie eine Made fühle. Wie eine Hau-drauf-Made, die intellektuell nicht wirklich etwas reisen kann, jedenfalls nicht so, dass es andere beeindrucken würde und die dafür lieber an ihre Trainingstage denkt und sich überlegt, ob man sie wohl schon als mittelmäßige Leistungssportlerin definieren könnte.
Wenn ich so nachdenke, dann gab es schon immer eine feingliedrige, grazile Frau in meiner Nähe, die ich wegen ihres So-Seins bewunderte. Sie wussten um sich Bescheid, wussten, welch leichte Wesen sie waren, dachte ich jedenfalls. Aber ich wusste nie, was ich war. Ich sah mich nie, mich nicht einmal beim Bewundern, ich begehrte nur und blickte, ohne, dass ich je etwas wollte, das über völlige Nachahmung hinaus ging.

Es klingt schroff.
Ja, das tut es.
20.10.10 21:15


Über morgen

Ich hab das Reh abgeknallt und ihm eine Locke geschenkt.
Letzes Mal im Training kam es wieder zu einer Auseinandersetzung. Unser etwas einfach gestrickter Spielkollege hat seinen Schläger zwischen meine Skates gekriegt, ich fiel. Klassisches Foul, das eigentlich keine große Sache gewesen wäre. Wäre er nicht einfach weiter gefahren mit dem Ball an der Kelle. Die Trainerin hielt ihn an und er protestierte sogleich mit Vorwürfen, in meine Richtung. Mein Puls schnellte schlagartig auf 380 und der Ofen war an. Handschuhe flogen, Sticks fielen zu Boden und ich diskutierte ihn vor seiner Nase nieder. Handgreiflich wurde ich nicht, das wäre nicht meine Art. Die Restlichen schwiegen betreten.

Im Nachhinein betrachtet, hätte ich nicht so rasant vorgehen müssen. Aber das Adrenalin des Spiels verpasst seine Wirkung nie. Die Speed ist ohrenbetäubend, schmerzzerreibend und hemmungsmindernd. Ein gefährliches Medikament, das leicht entzündliche Entzugserscheinungen nach sich zieht.

Morgen geht es weiter, allerdings vernünftig. Ich strebe die Klärung an. Über unnötige Fouls und angemessenem Körperkontakt. Möge der Hund zukünftig nun in der Pfanne liegen bleiben.
19.10.10 23:59


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